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An der Blauen Küste von Martigues nach Marseille

An der Blauen Küste von Martigues nach Marseille

Par Georges Rouzeau
 
Wir fahren in Richtung „Côte Bleue", wie man den Teil der Mittelmeerküste nennt, der sich von Martigues bis zu l'Estaque, einem Vorort von Marseille, erstreckt. Kleine, tief eingeschnittene Buchten, alte Fischereihäfen und Sand-Kiesel-Strände prägen das Bild dieses heute geschützten Küstenstreifens am Fuße der Hügelkette Chaîne de l'Estaque, zwischen der Bucht von Marseille und den Schwerindustrienanlagen der Petrochemie um Martigues, der bis zur Eröffnung einer Eisenbahnlinie im Jahr 1915 kaum erschlossen war (Die Eisenbahnlinie, der „Petit Train de la Côte Bleue", ist noch heute in Betrieb). Die Straße führt zunächst dicht am Ufer entlang, bis sie sich aufteilt, um dann von den Anhöhen der Chaîne de l'Estaque immer wieder über steile, gewundene Einbahnstraßen zum Meer zurückzuführen. Von den weißen Kalksteinfelsen eröffnen sich dabei atemberaubende Ausblicke auf das blauschillernde Mittelmeer.


Martigues
G. Rouzeau / ViaMichelin

Martigues
Die zweitgrößte Stadt des Departments Bouches-du-Rhône versteckt ihre Schätze gekonnt, umgeben von Erdölraffinerien und Zementfabriken und mit einem Horizont, den eine eindrucksvolle Autobahnbrücke verbaut. Und doch hat diese Stadt mit ihren historischen Vierteln, engen Gassen, vielen Kanälen und in leuchtenden Farben gestrichenen Häusern einen einnehmenden Charme. Bei einem kurzen Besuch empfiehlt es sich, sofort direkt bis zur Insel, dem historischen Kern von Martigues, vorzudringen ringsum mangelt es nicht an Parkplätzen. Hier hat man alles praktisch auf einen Blick: die Place Mirabeau mit ihren schönen Bürgerhäusern; der Quai Brescon am Kanal, ein kleines „provenzalisches Venedig", das Delacroix, Corot und Duffy in ihren Werken verewigt haben; die Barockfassade der Kirche Ste-Madeleine; und das enge Netz verflochtener kleiner Straßen, darunter die Rue de la Fraternité, die Rue Capoulière, die Rue des Cordonniers und die Rue Eugène-Pelletan.
Gleich hinter dem Fremdenverkehrsverein kann man den letzten Calen-Fischern zusehen, die am Kanal von Caronte arbeiten. Calen sind riesige waagerechte Netze, in denen zwischen Juli und September die Meeräschen auf ihrem Weg vom Etang de Berre zurück ins Meer gefangen werden. Die Eier dieser Fische werden gepresst und geräuchert und sind als „Poutargue", eine Art provenzalischer Kaviar, eine regionale Delikatesse.

Plage de Sainte-Croix
G. Rouzeau / ViaMichelin

Ausfahrt aus Martigues nach Süden, auf der D 5 Richtung Carry-le-Rouet und dann rechts auf der D 49 Richtung Carro.
 
Carro und La Couronne
Der pittoreske Fischerort Carro war bereits in der Römerzeit ein Hafen. Heute ist er die letzte Hochburg der Fischer der Blauen Küste und gleichzeitig der zweitwichtigste Hafen des westlichen Mittelmeers für den traditionellen Thunfischfang. Auf dem Fischmarkt, der Fischhändler, jüngere und ältere Schaulustige, faule Katzen und aggressive Möwen gleichermaßen anzieht, herrscht eine einzigartige Atmosphäre. Rund zwanzig Schiffe verkaufen hier ihren Fang - eine Aktivität, von der noch heute knapp fünfzig Familien leben.

Von Carro aus geht es weiter nach La Couronne, ein Ort, der wegen seiner schönen, schnell zu erreichenden Strände ein beliebtes Ausflugsziel der Marseiller ist. Kurze Pause am Strand von Le Verdon, von dessen östlichem Ende aus man den Leuchtturm des Cap Couronne auf der Pointe Riche erblickt, während sich im Hintergrund die Bucht von Marseille und das Cap Croisette abzeichnen. Das Cap Couronne ist bekannt für seine Molasse-Steinbrüche, ein rötlich-beiger Stein, der schon in der Antike abgebaut wurde die Römer verwendeten ihn beim Bau des alten Hafens, dessen Ruinen man neben La Bourse ansehen kann.
 
Anschließend folgen wir der kleinen Küstenstraße, gesäumt von leeren Campingplätzen und verlassenen Wohnwagen, die uns zu den Stränden von Les Tamaris und Sainte-Croix führt. Letzterer wartet jedes Jahr ungeduldig auf die erneute Zuteilung der „Blauen Fahne" - eine Auszeichnung, die an diesem Küstenstreifen eher selten ist.
 


G. Rouzeau / ViaMichelin

Die D 49 führt weiter an einer relativ unberührten Küste entlang bis zum hübschen Ort Sausset-les-Pins, der gleich vier Strände besitzt, mit der charakteristischen Mischung aus Sand und Kieselsteinen. Der Badetourismus hat hier endgültig die traditionelle Thunfischfischerei verdrängt und damit auch die „Seinche", ein großes Fischereiereignis, bei dem sich einmal im Jahr alle Männer des Dorfes zusammenfanden, um die Thunfische mit vereinten Kräften in einem großen runden Netz zu fangen. Anschließend entfernt sich die D 49 von der Küste und durchquert die Hügelkette Chaîne de l'Estaque.
 
Carry-le-Rouet
Das ehemalige Fischerdorf Carry-le-Rouet liegt malerisch am Fuße der bewaldeten, zum Meer abfallenden Hänge und entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem recht schicken Badeort. Auf den Quais des Jachthafens laden die Terrassen der unzählige Bars und Restaurants je nach Wetter zu einer kleinen oder längeren Pause ein. Außerdem kann man entlang der Küste einen herrlichen Spaziergang machen (Ausgangspunkt rechts vom Hafen am Quai P.-Maleville), der auf einem ins Meer herausragenden Felsvorsprung beginnt, auf dem ein rot-weißer Leuchtturm steht fast fühlt man sich wie in der Bretagne, an der Rosa-Granit-Küste! Auf einem angelegten Wanderweg mit Geländern, Bänken, Aussichtpunkten und Informationstafeln zu Flora und Fauna, kann man hier mit Blick auf die Bucht von Marseille ungestört die schöne Landschaft und das milde Klima genießen.

Seeigel und Oursinade oder leckeres Jod tanken!

Es gibt Charolais-Rinder, Périgord-Trüffel usw. Und dann gibt es noch die Seeigel von Carry-le-Rouet, deren Geschmack unvergleichlich sein soll. Oder sollte man sagen „gab"? Tatsächlich haben diese Echinodermen stark unter der Zerstörung ihres natürlichen Lebensraums, den weitflächigen Seegraswiesen, gelitten. Heute darf die „Meereskastanie" nur noch vom 1. November bis zum 30. März gesammelt werden. Und auch die Mengen sind beschränkt: 4 Dutzend pro Person, und nur Exemplare mit einem Durchmesser von über 5 cm. Das Seeigelsammeln mit einer Taucherausrüstung ist sogar gänzlich verboten.
Einmal im Jahr im Februar treffen sich französische Feinschmecker hier zum Seeigelschmaus, zur so genannten „Oursinade". Wer diesem fröhlich festlichen Ereignis beiwohnen und nicht auf der Autobahn A 55 parken möchte, sollte besser nicht zu spät aufstehen. Am besten kauft man sich seinen Teller mit Seeigeln bei einem der anwesenden Sammler und setzt sich damit gemütlich auf eine sonnige Terrasse auch im Winter gibt es hier noch schöne Sonnentage. Langschläfer müssen sich mit der Quaimauer oder den Felsen zufrieden geben.

Calanque de Méjean
G. Rouzeau / ViaMichelin

Steile Abfahrt Richtung Marseille
Gleich nach Carry-le-Rouet steigt die D 5 steil an und gibt, kurz bevor es wieder nach unten geht, hoch über der Küste einen herrlichen Blick auf die Bucht von Marseille und die Frioul-Inseln frei - Anhalten ist hier leider nicht möglich. Richtung Ensuès-la-Redonne führt die Straße anschließend durchs Landesinnere: eine felsige Landschaft, die hier und da von einer kargen Vegetation und den Spuren großer Flurbrände unterbrochen wird, das alles eingetaucht in ein einzigartiges Licht.
 
Jetzt heißt es Konzentrieren, denn nun beginnt eine steile, haarnadelkurvenreiche Abfahrt  zu den malerischen kleinen Buchten von Madrague-de-Gignac, La Redonne, Méjean, Figuières, Niolon und La Vesse, die das Meer tief in das Dolomitgestein gefressen hat und dabei die erstaunlichsten Felsformen entstehen ließ.
 
Scharfe Kurven, eine enge Fahrbahn und eine recht eingeschränkte Sicht sind typisch für diese kleinen Straßen, die unten am Meer ganz einfach enden.
 
Unten angelangt erwartet den furchtlosen Fahrer ein kleines Paradies, sinnlich und voll betörender Gerüche. Kleine Hütten, türkisfarbenes Wasser, strahlend weißer Kalkstein, Restaurants, in denen Fisch und Meeresfrüchte, kaum gefangen, schon auf dem Tisch stehen...
 
Gleich hinter der Kreuzung der D 48 mit der D 5 taucht im Hintergrund erneut die Bucht von Marseille auf. Bevor wir jedoch auf unserer Strecke weiterfahren, erlauben wir uns einen kurzen Abstecher nach Le Rove, einem kleinen Ort, in dem es einen Hirten gibt, der noch in alter Tradition einen frischen, leicht würzigen Ziegenkäse, den „Brousse" herstellt.
 
Die progressive Abfahrt nach l'Estaque, bei der das Auge immer wieder über die Bucht von Marseille und das Bassin de La Joliette gleitet, ist trotz der alten Steinbrüche und sonstiger Lagerstätten ein Genuss pur. Die riesige Bucht erscheint uns in einem diesig-rötlichen Licht wie einst wahrscheinlich schon den Phäaken, als sich diese vor 2600 Jahren vom Meer aus der Küste näherten.

Praktische Hinweise

Hotels
 
Clair Hôtel
57, boulevard Marcel Cachin
13500 Martigues
Tel: + 33 (0)4 42 13 52 52.
 
Auberge du Mérou
Calanque de Niolon
13740 Le Rove
Tel: + 33 (0)4 91 46 98 69.

Restaurants
 
La Gousse d'ail
42, quai Général Leclerc
13500 Martigues
Tel: + 33 (0)4 42 07 13 26.
 
Bouchon à la mer
19, quai L. Toulmond
13500 Martigues
Tel: + 33 (0)4 42 49 41 41.
 
Les Girelles
13960 Sausset-les-Pins
Tel: + 33 (0)4 42 45 26 16.
 
L'Escale
Promenade du Port
13620 Carry-le-Rouet
Tel: + 33 (0)4 42 45 00 47.
 
La Brise
Quai Vayssière
13620 Carry-le-Rouet
Tel: + 33 (0)4 42 45 30 55.

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